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Steppenmöwe
Caspian Gull
Larus cachinnans

Hamburg, 24-11-2019
© Paul Ehlers



2019-11-26   1
Detlef Gruber

Foto: Steppenmöwe von Paul Ehlers
Moin Paul, sehr gut gemacht dieser Vergleich!


2019-11-26   2
Paul Ehlers

Foto: Steppenmöwe von Paul Ehlers
vielen Dank!

In diesem Alter finde ich diesen Hybriden oftmals noch einigermaßen eindeutig, besonders adulte scheinen mir jedoch wesentlich schwerer festzumachen zu sein. Manche Steppenmöwen fallen natürlich durch argentatus-ähnliche HS-10 oder auch ungewöhnlich wenig schwarz in den innereren Handschwingen (HS-4/5) auf, wie dieses Viech:

www.ornitho.de/index.php?m_id=54&id=36646385

Vielleicht vergleichbar mit dieser als "Larus argentatus sensu lato" mit der Anmerkung "Few odd features for pure cachinnans" bezeichneten Möwe aus einer polnischen Mischkolonie:

gull-research.org/cachinnans/images/lukasz1/3P14_17.04.2014WytyckieLake_LASensuLato2.jpg

Aber das scheint ja leider auch alles mehr oder weniger innerhalb von cachinnans möglich zu sein.

Ideen dazu würden mich jedenfalls interessieren.


2019-12-13   3
Martin Gottschling

Foto: Steppenmöwe von Paul Ehlers
Hallo Paul, durch einen Freund auf dieses Bild aufmerksam gemacht, kann ich diesen Vergleich nicht nachvollziehen, für mich sind das beides Steppenmöwen. Falls du die "gebänderten" Flügeldecken als Hybridmerkmal sehen solltest, so ist diese Färbung m. M. n. voll in der Variation von Steppenmöwen zu finden. Und alles andere sieht doch auch aus wie bei einer Steppenmöwe. BG! MG


2019-12-13   4
Paul Ehlers

Foto: Steppenmöwe von Paul Ehlers
Ich finde auch, dass die untere Möwe insgesamt ebenfalls sehr nach einer Steppenmöwe aussieht.

Juvenile große Armdecken mit viel Weiß, die nur wenige (~3) braune dreieckige "Zacken" zeigen, welche alle (drei) gleich aussehen und keinen diffusen Übergang zum dazwischenliegenden weißen Teil der Feder zeigen, sondern scharfe Kanten haben, scheinen mir jedoch sehr untypisch für eine Steppenmöwe zu sein.

Einige Steppenmöwen zeigen viel Weiß, aber keine gleichartigen Zacken: www.ornitho.de/index.php?m_id=54&backlink=skip&mid=521783

Einige eine halbwegs gleichmäßige Zackenzeichnung, die aber überhaupt keine scharfen, sondern diffuse Kanten hat: www.ornitho.de/index.php?m_id=54&backlink=skip&mid=521779

Einige zeigen viel Weiß und gleichzeitig Zacken, die aber überhaupt nicht gleichartig und dreieckig sind: www.ornitho.de/index.php?m_id=54&backlink=skip&mid=521782

Viele zeigen eine ganz andere Zeichnung und gleichzeitig diffuse Übergänge www.ornitho.de/index.php?m_id=54&backlink=skip&mid=521780

Und hier - zum Vergleich - eine typische Silbermöwe mit viel Weiß und wenigen, gleichartigen Zacken mit scharfen Übergängen: www.gull-research.org/hg/hg1cy/1cynov64.html

Das Ganze trifft meines Erachtens auch auf rumänische Steppenmöwen zu: perdixbirding.com/2018/07/31/romania-juvenile-caspian-gulls/

Am ehesten nicht zutreffend ist es bei diesem Vogel, bei dem die inneren großen Armdecken (um die es hier ja geht) aber eher an eine Mittelmeermöwe als an eine Silbermöwe erinnern, da sie so wenig Weiß zeigen: perdixbirding.files.wordpress.com/2018/07/v87a6397.jpg

Hier eine weitere extreme Steppenmöwe, auf die m.E. dasselbe wie auf die rumänische zutrifft: gull-research.org/cachinnans/1cy/6l48.html

Das mag übertrieben ins Detail gegangen wirken, aber es scheint mir sinnvoller, als einfach ungewöhnlich dunkle, stark gezeichnete Steppenmöwen als Silbermöwenhybriden zu bezeichnen, wie beispielsweise diese Steppenmöwe (die als noch was anderes eingetragen ist): www.ornitho.de/index.php?m_id=54&mid=194977

Normalerweise bin ich natürlich auch nicht am Zackenzählen, aber mit ins Detail gehenden Beschreibungen scheint es mir leichter zu diskutieren zu sein.

[bearbeitet 2019-12-13]


2019-12-13   5
Paul Ehlers

Foto: Steppenmöwe von Paul Ehlers
gerade gefunden:

rothandb.blogspot.com/2018/01/crayford-casps-2nd-january-2018-and.html

Es geht um die ersten beiden Fotos. Ich denke, da wird ein sehr ähnlicher Vergleich gemacht, und zwar ebenfalls unter besonderer Betrachtung der großen Armdecken: " wide open greater-coverts particularly grim"

Auch hier ist der vorgeschlagene Hybrid ebenfalls eine typisch vierfarbige Steppenmöwe im 1. Winter, die witzigerweise ebenfalls mausermäßig schon etwas fortgeschrittener ist als der Vergleichsvogel.

[bearbeitet 2019-12-13]


2019-12-19   6
Detlef Gruber

Foto: Steppenmöwe von Paul Ehlers
Zitat Paul Ehlers


In diesem Alter finde ich diesen Hybriden oftmals noch einigermaßen eindeutig, besonders adulte scheinen mir jedoch wesentlich schwerer festzumachen zu sein. Aber das scheint ja leider auch alles mehr oder weniger innerhalb von cachinnans möglich zu sein.
Ideen dazu würden mich jedenfalls interessieren.


Hallo Paul, Alle,

ich weiß nicht, ob du im Frühling in unseren binnenländischen Mischkolonien die dortigen Brutvögel angeguckt hast.
Dort findet man alles, von ganz typischen Silber-, Mittelmeer, Steppen- und Heringsmöwen, bis hin zu allen möglichen Übergängen. Ich finde es immer etwas müßig, und man ließt es oft in verschiedenen Möwenforen, vom 100%, 75% oder nur 50% Steppenmöwen, zu diskutieren.
Ja, der beringte Vögel könnte die Variation einer „reinen“ Steppenmöwe zeigen (waren denn seine Rufe eindeutig?). Dennoch schon bezeichnend, dass er ausgerechnet aus dem deutschen Binnenland stammt. Die obere Steppenmöwe ist „komplett typisch“. Stammt diese vielleicht vom Kaspischen Meer, oder vielleicht doch „nur“ aus Hannover?
Als wir in den 90iger Jahren die ersten Steppenmöwen in Norddeutschland „fanden“, waren die alle so typisch wie der obere Vogel. Möglicherweise waren auch solche wir der untere Vogel dabei? Diese haben wir damals vermutlich einfach nur „ignoriert“. Dennoch glaube ich, dass diese „eher nicht ganz typischen“ Möwen damals viel seltener als heute waren. Die Erklärung wäre ja logisch, es gab damals diese Brutkolonien in unserem Binnenland noch nicht, bzw. diese waren erst in der Entstehung.
In einer Brutkolonie südlich von Hannover (NSG Koldinger See) sind die wenigen Brutvögel vermutlich überwiegend (phänotypische) Hybriden. Einzelne „klassische“ Steppen- und Silbermöwe sind aber auch dabei, sowie scheinbar +/- Mittelmeermöwen. Die Ausbreitung geht in Niedersachsen weiter nach Westen voran (Wesertal) und inzwischen kam es zu ersten Steppenmöwenbruten in den Niederlanden. Deshalb dürfte der Anteil von Möwen weiter zunehmen, die wie der untere aussehen. Ob man diese dann als „cactus“, oder „cactoid“ oder als reine cachinanns bezeichnet, muss dann jeder „Guller“ für sich entscheiden und ggf. mit anderen diskutieren. VG Detlef


2019-12-19   7
Paul Ehlers

Foto: Steppenmöwe von Paul Ehlers
erstmal vielen Dank für die ausführliche Erklärung! In den deutschen Mischkolonien war ich leider noch nicht, ich würde mir die dortigen Brutvögel jedoch gerne mal angucken, ich denke, dass das durchaus erhellend sein könnte. Muss nur noch herausfinden, wo man an die am besten rankommt. Vorschläge für Indizien für Hybrideinfluss gibt es ja einige.

Die Rufe von Hybriden sollen ja soweit ich das verstanden habe eher Steppenmöwen ähneln, bei diesem Vogel, bei dem - wenn man von einem Hybriden ausgeht - ganz klar mehr cachinnans drinsteckt (ohne Prozentangabe ;-), scheint es mir deshalb nicht überraschend, dass er wie eine solche klingt:

Long call: www.xeno-canto.org/508254 (unten abgebildete K1 Steppe; short calls davor mutmaßlich auch von diesem Vogel, das habe ich mir aber nicht notiert)

Da ist mir im Vergleich zu einer daneben rufenden K2-Steppe nur aufgefallen, dass letzterer etwas tiefer klingt:

Long call: www.xeno-canto.org/508256 (K2 Steppe)

Aber da gibt es leider wenig Vergleichsmaterial (für Alter und wie sie normal klingen sollten). The Sound Approach scheint sich bedauerlicherweise auf adulte Möwen zu beschränken.